Revolution der Offenheit

Erstellt von Dr. Uwe Eisermann, Gründungspräsident XU Exponential University of Applied Sciences (i.Gr.) History, if viewed as a repository for more than anecdote or chronology, could produce a decisive transformation in the image of science by which we are now possessed. That image has previously been drawn, even by scientists themselves, mainly from the study of […]
Finde den passenden Job für die digitale Zukunft
letztes Update: 07/21/2017

Erstellt von Dr. Uwe Eisermann, Gründungspräsident XU Exponential University of Applied Sciences (i.Gr.)

History, if viewed as a repository for more than anecdote or chronology, could produce a decisive transformation in the image of science by which we are now possessed. That image has previously been drawn, even by scientists themselves, mainly from the study of finished scientific achievements as these are recorded in the classics and, more recently, in the textbooks from which each new scientific generation learns to practice its trade. Inevitably, however, the aim of such books is persuasive and pedagogic; a concept of science drawn from them is no more likely to fit the enterprise that produced them than an image of a national culture drawn from a tourist brochure or a language text.

Thomas S. Kuhn, The Structure of Scientific Revolutions (1962)

Seit ein paar Jahren verfolgt die TU Dresden bei der Vergabe eines Teils ihrer Professuren ein interessantes Konzept: Anstelle von klassischen Ausschreibungen, setzt die Universität im Rahmen ihrer Open Topic Tenure Track Professuren (OTTP) auf einen aktiven Rekrutierungsprozess. Gesucht werden – völlig unabhängig von ihrem jeweiligen Fachgebiet – besonders herausragende und innovative Forscher. Bei diesem „Open Topic“-Ansatz geht es also einzig und allein darum, die brillantesten Wissenschaftler zu gewinnen.

Das ist ein radikaler Schritt. Übertragen auf ein Unternehmen würde das bedeuten, eine Personalabteilung rekrutiert besonders begabte Mitarbeiter aus völlig unterschiedlichen Bereichen, egal, ob ihr Profil im Unternehmen benötigt wird oder nicht. So würde der Historiker beim Automobilkonzern landen, der Mediziner beim IT-Riesen oder der Physiker bei der Versicherung.

Klingt verrückt? Nun, was aber, wenn genau darin der Schlüssel für Innovation im digitalen Zeitalter liegt? Der Wissenschaftsphilosoph Thomas S. Kuhn beschäftigt sich in seinem mittlerweile zum Klassiker avancierten Werk „The Structure of Scientific Revolutions“ mit der Entstehung von Paradigmenwechseln. Also grundlegende Richtungswechsel innerhalb eines wissenschaftlichen Feldes, wie z.B. die Kopernikanische Wende oder Einsteins Relativitätstheorie. Ausgelöst werden diese wissenschaftlichen Revolutionen laut Kuhn durch Anomalien, die sich nicht mit den im jeweiligen Paradigma vorherrschenden Regeln und Erklärungsmodellen vereinbaren lassen. Diese Irritationen entstehen dabei i.d.R. nicht innerhalb des Systems, sondern werden von außen herangetragen. Denn ein Paradigma strebt von sich selbst aus nicht nach Veränderung – im Gegenteil: Wissenschaftler einer Disziplin werden zunächst immer versuchen, die aufkommenden Anomalien mit dem bestehenden Paradigma zu vereinen.

Erst der Blick von außen eröffnet also grundlegend neue Perspektiven und ist in der Lage, radikale Veränderungen in einem bestehenden System zu bewirken. Das gilt für die Wissenschaften genauso wie für andere Bereiche der Gesellschaft. Und damit wird Kuhns Ansatz zu einer Blaupause für die Digitalisierung – in zweierlei Hinsicht:

Zum einen, weil die Digitalisierung selbst einen Paradigmenwechsel darstellt, infolgedessen zahlreiche Annahmen und Gewissheiten – etwa darüber, wie Geschäftsmodelle bestimmter Branchen funktionieren – radikal infrage gestellt werden. Zum anderen, weil gerade die Digitalisierung, stärker als andere Entwicklungen zuvor, Innovationen von außen provoziert. Bezogen auf die Wirtschaft äußert sich dies etwa im Aufkommen von völlig neuen Wettbewerbern außerhalb des eigenen Branchen-Universums. Diese radikale Öffnung von ganzen Branchen und Geschäftsmodellen für neue Ideen und Impulse, hervorgerufen durch digitale Technologien zeigt, dass die Beschränkung auf ein isoliertes Fachgebiet nicht mehr zeitgemäß ist. Stattdessen wird die Interdisziplinarität, die Vernetzung von Wissen und Branchen, die radikale Offenheit zur wesentlichen Kernkompetenz im digitalen Zeitalter.

Insofern sind die Open Topic Tenure Track Professuren ein spannender Ansatz, der mehr denn je in unsere Zeit passt. Wir wollen dieses Prinzip der systemischen Offenheit noch weiter tragen. Darin sehen wir unsere Mission. Die exponentielle Hochschule soll zu einem internationalen Knotenpunkt der digitalen Welt werden, ein offenes Forum für Ideen aus unterschiedlichen Disziplinen und Bereichen, weit über die Grenzen des eigenen Fachgebiets hinaus. Sie soll offen sein für äußere Einflüsse aus Kunst, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft.

Denn nur diese Offenheit in ihrer radikalsten Form kann einen Paradigmenwechsel hin zur digitalen Welt bewirken.

Weitere Blogposts

10 Regeln für Erfolg (nach Kobe Bryant)

10 Regeln für Erfolg (nach Kobe Bryant)

Kobe Bryant (1978-2020) war einst einer der bekanntesten und erfolgreichsten Basketballer der US-amerikanischen Basketballliga NBA. Mit den Los Angeles Lakers gewann er fünf Meisterschaften. Heute klären wir, was ihn so erfolgreich gemacht hat. Hier sind seine 10...

Together@XU – Anti Cybermobbing Workshops an der XU

[email protected] – Anti Cybermobbing Workshops an der XU

Hast Du jemals ein Foto oder einen Status einer anderen Person geteilt, um darüber zu lachen? Hast Du jemals andere Menschen mithilfe verschiedener digitaler Kommunikationsinstrumente auf negative Art und Weise konfrontiert? Würdest Du jemanden von Angesicht zu...

Digital Marketing studieren

Digital Marketing studieren

Hast du Lust Digital Marketing zu studieren? Kommunizierst du gerne? Liebst du es, in Kontakt mit Menschen zu sein und diese zu verstehen? Kannst du nicht nur gut mit Worten umgehen, sondern auch mit Zahlen? Hast du schon...

Werkzeuge für die digitale Zusammenarbeit

Werkzeuge für die digitale Zusammenarbeit

Besonders in den letzten Monaten ist digitale Zusammenarbeit immer wichtiger geworden. Die richtigen Hilfsmittel und Tools helfen Teams und ganzen Organisationen dabei, von jedem Ort aus gemeinsam zu arbeiten. Wir haben eine Übersicht der verschiedenen Software und...

Abitur Vorbereitung in Corona Zeiten

Der Countdown läuft! Es ist Zeit für deine Abitur-Vorbereitung! Die Abiturklausuren und mündlichen Prüfungen stehen vor der Tür. Fühlst du dich stark und...

Technologien für das virtuelle Studium

Sommersemester 2020 – Die XU startet planmäßig durch mit unserem virtuellen Studium. Hier erfährst du genau, wie das aussieht. Die richtigen Technologien für [email protected] und das virtuelle Studium - Das Sommersemester 2020 startet an der XU Exponential University am 6....

Studium der Digitalisierung

Was bedeutet es, wenn wir an der XU Exponential University von einem Studium der Digitalisierung sprechen? Im folgenden Blogartikel wollen wir dir aufzeigen, was Digitalisierung für unsere Welt bedeutet und wie...

Zulassungsfreie Studiengänge: Numerus Clausus & Co

Es ist so weit. Die Abiprüfung 2020 und die Zeugnisvergabe stehen an. Im aktuellen System entscheiden oftmals deine Noten, welche Studiengänge möglich sind. Doch nicht alle sind an den Numerus Clausus (NC) gebunden. Deshalb lass' uns einmal darüber...

Remote Studium – So motivierst du dich!

Am 6. April geht das Semester wieder los und wir sind bereit, auch in Zeiten des Corona Virus Neues zu lernen und gemeinsam in unseren Vorlesungen und Projekten Neues zu entwickeln. So sieht das Remote Studium an der XU aus! Wir sind bereits im Umgang mit online...