Prof. Dr. Florian Feltes

Fachgebiete: Human Resource Management, Digital Leadership, New Work

Interview

Florian, welche Rolle spielt die Praxis für ein Studium an der XU?

Natürlich müssen wir unseren Studierenden eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung vermitteln, damit sie die notwendigen Skills erlernen und auch die richtigen Fragen für die Zukunft stellen können. Dieses Wissen kann dann in der Praxis einem Stresstest unterzogen werden. Die Studierenden lernen, wie Unternehmen, Abteilungen oder Mechanismen funktionieren – das ist von außen kaum möglich. Nur vor Ort können sie ergründen, wie es in Betrieben aktuell läuft und was man in Zukunft besser machen könnte.

Welche Vorteile bieten sich den Studierenden?

Sie bekommen Berufserfahrung, können sich ausprobieren und lernen aus erster Hand, welche Skills in dem Job gefragt sind und welche sie sich noch aneignen müssen. Darüber hinaus können sie ausloten, ob dies wirklich die Bereiche sind, in die sie später intensiver einsteigen möchten. Mit jedem Kontakt, den wir in den Studiengängen anbieten, bekommen die Studierenden zudem die Chance, sich frühzeitig ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Das ist nicht nur wichtig, um später einen Job zu bekommen, sondern auch, wenn es um eigene Projekte geht. Wer gründen will, braucht Sparringspartner*innen, mit denen man über die eigenen Ideen reden kann.

Welche Praxisprojekte verfolgst du?

In unseren Veranstaltungen im HR-Bereich lehren wir fundamentals, die viele Studenten noch nicht mitbringen können. Dazu holen wir regelmäßig ausgewiesene Fachleute, um den direkten Praxiskontakt sicherzustellen. Ein Arbeitsrechtler etwa bietet einen praxisorientierten Workshop an, und beim Thema Personalauswahl versetzen wir die Studierenden in die Situation eines Assessment Centers, wobei sie beide Seiten der Auswahl kennenlernen. Daneben habe ich im Modul Communication zusammen mit meiner Kollegin Dr. Judith Innerhofer TED-Talks halten lassen.

Was passiert in solchen TED-Talks?

TED-Talks sind kurze, bei uns etwa zehnminütige Vorträge, die eine größere Fragestellung auf Metaebene diskutieren, Problemlösungen liefern oder einfach zum Nachdenken anregen – und die stark vom Storytelling leben. Wenn man sich um einen Job bewirbt oder das eigene Start-up pitcht, muss man sich optimal präsentieren und die audience am besten vollständig begeistern. Das kann man mithilfe von TED-Talks üben.

Und wie begeistert man seine Zuhörer*innen am besten?

Wenn wir einen Vortrag hören, wollen wir mit auf eine Reise genommen werden. Wir wollen uns in die Geschichte, in das Erlebte hineinversetzen können. Die Redner*innen müssen diese verschiedenen Ebenen – rational wie emotional – bedienen und zu diesem Zweck die audience analysieren können. Wir haben vermittelt, wie man einen TED-Talk aufbaut, wie Storytelling funktioniert, wie man einen gelungenen Einstieg findet und wie man seine Argumente mit Zahlen, Daten, Fakten unterlegt. Denn: Eine gute Idee bringt nichts, wenn man sie nicht rüberbringen kann.

Wie ist das bei den Studierenden angekommen?

Aus mehreren Gründen sehr gut. Jede*r konnte über ein für ihn oder sie wichtiges Thema reden. Zudem ist so ein TED-Talk einmal eine ganz andere Prüfungsleistung. Auch dass die Präsentation auf Englisch ablief, war eine Herausforderung. Und aus dem abschließenden Feedback konnte jede*r Studierende etwas für sich herausziehen, etwa wenn es um Rhetorik oder Mimik geht. Einige Beiträge waren so gut, dass wir sie im Rahmen der Einführungswoche für neue Studierende präsentieren werden.

Weitere Professor*innen an der XU