Prof. Dr. Justus Broß

Fachgebiete: Digitale Transformation, Innovation and Agility

Interview

Justus, welche Bedeutung hat die praktische Erfahrung für die Studierenden an der XU?

Es ist ganz einfach: Wenn die Theorie in der Praxis nicht anwendbar ist, dann ist das ganze Konstrukt von Schule und Lehrvermittlung null und nichtig. Wenn du das Gelernte in deinem beruflichen Alltag nicht anwenden kannst, ist es schlicht und einfach nichts wert.

Wie bringst du den Praxisbezug in deine Lehrveranstaltungen?

Erstens über externe Fachleute, die zu dem jeweiligen Thema in dem Modul, das ich gerade anbiete, etwas zu sagen haben. Zweitens besuchen wir immer wieder Firmen oder Agenturen, die uns inspirieren können. Bei Startups treffen die Studierenden dann auch schon einmal die Gründer*innen oder CEOs, aber wir waren auch schon bei größeren Unternehmen wie etwa SAP. Und drittens machen wir immer wieder konkrete, an der Praxis ausgerichtete Projekte.

Welche waren das in diesem Jahr?

Im Modul Collaboration haben wir am Anfang des Semesters eine Infografik entwickelt, die einen Überblick darüber bietet, welche digitalen Tools – zum Beispiel in den Bereichen Projektmanagement oder Video Conferencing – es überhaupt gibt, und was diese leisten können. Das war gerade in Coronazeiten sehr aktuell.

Auch die Abschlussprüfung in dem Modul hatte einen praktischen Bezug: Die Studierenden sollten als Personalverantwortliche einen mehrstufigen Recruiting-Prozess für ein bestimmtes Jobprofil entwickeln. Aufgabe war es, das beste Talent am Markt zu finden, das am ehesten den gesuchten kooperativen Stil, ein kollaboratives Mindset, verkörpert. Die angebotenen Lösungen waren teilweise sehr originell, etwa eine Art Memory-Spiel auf Basis von „Dungeons & Dragons“. Andere Studierende brachten sogar ihre Eltern mit, die im Rollenspiel HR-Verantwortliche mimten.

Welche Intention steckt hinter solchen Prüfungsaufgaben?

Auf diese Weise wollen wir die Resilienz der Studierenden fördern. Sie sollen lernen, Komplexität zu beherrschen und im Ungewissen zu navigieren. Manchmal verlassen wir die klassischen Pfade der Lehrvermittlung, um sie sogar etwas zu überfordern. Denn über die gemachten Fehler können wir Wege der Verbesserung oder Alternativen aufzeigen.

Was wird den Studierenden ganz konkret vermittelt?

Zunächst einmal die Erkenntnis, dass man in der digitalen Hochgeschwindigkeitswelt im Team grundsätzlich stärker ist. Es geht heutzutage um mehr Know-how und Expertise, als sich eine Einzelperson aneignen kann. Man ist also darauf angewiesen, mit anderen zu arbeiten, und deshalb sollte man dies auch können. Im Optimalfall lernen sie also beispielsweise Team- und Konfliktfähigkeit sowie die Welt mit den Augen ihres Gegenübers zu sehen. Und zweitens: Gerade in der Digitalindustrie muss man stets nutzerzentriert denken und sich ständig selbst hinterfragen. Dabei ist es normal zu scheitern, man muss nur wieder aufstehen und es beim nächsten Versuch besser machen. Aber man sollte auch rechtzeitig erkennen, wenn etwas gar nicht funktioniert. Sobald klar ist, dass die Nutzer*innen über dein Produkt nicht so denken, wie du es tust, halte nicht daran fest.

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